Zum Inhalt springen

#017 – Der Ghostwriter

Ich wollte seit Langem schon Roman Polanskis Der Ghostwriter (Frankreich, Deutschland, UK, 2010) sehen. Der Trailer verriet im Voraus nicht zu viel der Handlung, präsentierte jedoch ein schön bedrückendes Thriller-Ambiente, das mir zusagte. In gewisser Weise blieb es über den gesamten Film dabei: eine gute Stimmung versucht eine Story zu tragen, die mich einfach nicht überzeugen will.

Zum Drehbuch muss man an dieser Stelle erwähnen, dass es sich um die Adaption eines Buches handelt (Ghost von Robert Harris), die Story im Groben also bereits bestand. Nach dem mysteriösen Tod des Ghostwriters vom britischen Premierminister Adam Lang (Pierce Brosnan) wird ein erfolgreicher Schriftsteller (Ewan McGregor) als neuer Ghostwriter eingestellt. Dieser folgt Lang auf eine Reise in die USA, wo er im Rückzugsort des Premierministers und seines Teams, einem abgeschiedenen Haus auf einer Insel in Massachusetts, an Langs Memoiren schreiben soll. Stück für Stück entdeckt der Ghostwriter jedoch einzelne Teile eines großen Geheimnisses um den Premierminister, dessen Politik und den Tod des ersten Ghostwriters.

Die Ausgangslage ist eigentlich perfekt für einen Politthriller: ein Schriftsteller kommt in die Nähe eines der mächtigsten Politiker, nachdem sein Vorfahre gestorben ist. Und Polanski schafft es, diese Gier nach Puzzleteilen zu wecken. Man will wissen, wie es weitergeht. Und man freut sich über jedes neu entdeckte Geheimnis. Denn es ist schnell klar, dass irgendetwas im Umfeld des Premierministers nicht mit rechten Dingen zugeht. Das liegt auch an dem tollen Ambiente, das der Film aufbaut. Dieses völlig abgeschiedene Haus auf einer kleinen Insel, die regelmäßig Stürmen, rauer See und viel Regen ausgeliefert ist, die angespannte Stimmung zwischen dem Premierminister Lang, seiner Frau Ruth und dem politischen Team, die ständige Überwachung aller durch Bodyguards; all das schafft ein bedrückendes Szenario, in dem der neugierige Ghostwriter mutig jeder Spur nachgeht.

!!Achtung, der folgende Absatz beinhaltet Spoiler!!

Doch wer lang und gut Geheimnisse aufbaut und so immer neue Theorien seitens der Zuschauer heraufbeschwört, der muss am Ende liefern und ein starkes Ende vorlegen. Und daran scheitert der Film. Ich finde die Auflösung des Geheimnisses so trocken, wie man ein Politthriller nur enden lassen kann. Und selbst die überraschende zweite Wendung (ganz am Ende), ist irgendwie unbefriedigend. Da ich das Buch nicht kenne, weiß ich nicht, wem ich es ankreiden soll. Aber es hat mich gestört.

Technisch ist der Film sehr klassisch. Dass Polanski (Jahrgang 1933) im Jahr 2010 mit diesem Film nicht für eine Revolution des Kinos sorgen würde, war natürlich zu erwarten, und das ist in Ordnung. Die Kamera arbeitet in vielen Bildern mit einer klaren Vordergrund-Hintergrund-Trennung; das wirkt fast altertümlich. Eine Szene mit unnötigem Achsensprung ist der einzige Moment, in dem mir die Kamera ansonsten aufgefallen ist. Dazu kommt ein paar Momente übelster Produktplatzierung. Technisch und ästhtetisch ist dieser Film (einmal abgesehen von der tollen Insel als Location) absolut unspektakulär.

Ich glaube, meine größte Kritik gilt aber den Figuren des Films. Ich mag Ewan McGregor und dennoch konnte ich wenig mit ihm und seiner Rolle anfangen. Das ging mir jedoch mit allen Figuren so. Zuerst dachte ich, hier werde einfach von allen Schauspielern schlecht gespielt. Besonders die Frau vom Premierminister, Ruth Lang (Olivia Williams), hat mich einfach nicht überzeugt. Im Nachhinein glaube ich nicht, dass dies den Schauspielern (alleine) geschuldet ist, sondern dass hier tiefgreifende Arbeit an den Charakteren fehlte. Hier fehlt mir wieder das Buch als Vergleich, aber keine der Figuren schien mir viel Tiefe zu haben. Alles war irgendwie oberflächlich, glatt, unrealistisch. Hollywoodesk, wenn man so will.

 

Fazit:

Der Ghostwriter ist ein Politthriller, der eine Stimmung erzeugt, die bedrückend und grau ist wie das Wetter der Insel, auf der der Film größtenteils spielt. Dieses Unbehagen blieb bei mir sogar über den Film hinaus und hat mir gut gefallen. Polanski erzeugt einen Ort der Abgeschiedenheit und Isolation, und das Gefühl, einem Geheimnis auf der Spur zu sein. Leider erfüllt die Geschichte die Erwartungen nicht. Mangelnde Präzision im Schreiben der einzelnen Rollen und Szenen machen viele Momente aufgesetzt oder unglaubwürdig. Ich weiß nicht, ob sich das noch mit Begriffen wie klassisches Mainstream-Kino abtun lässt, oder ob man hier schon von Klischees sprechen muss, denen der Film immer wieder zum Opfer fällt.

(2,5 / 5)

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.