Zum Inhalt springen

#019 – Trainspotting

Um mich für den neuen, zweiten Teil zu rüsten, habe ich mir nun nach einiger Zeit noch einmal Trainspotting (UK, 1996) angeschaut. Und er ist auch nach all den Jahren einfach großartig. Hier also ein kurzer Text als Vorspiel zu meiner bald folgenden Rezension des zweiten Teils, den ich zum Zeitpunkt dieses Textes noch nicht gesehen habe. Wer Trainspotting nicht kennt, für den mag eine inhaltliche Zusammenfassung erst einmal etwas mager klingen: Im schottischen Edinburgh versucht der heroinabhängige Mark (Ewan McGregor) clean zu werden, was durch die Heroinsucht seiner ganzen Clique nicht gerade einfacher wird. Doch diese Kurfassung täuscht. Es mangelt dem Film weder an einem übergeordneten Spannungsbogen noch an einzelnen Handlungssträngen.

Dass Trainspotting auf so geringer Story-Basis so faszinierend ist, dass er auch heute noch als großer Kinoklassiker gilt, liegt an einer wahnsinnig guten Kombination aus großartiger schauspielerischer Leistung, einem humorvollen Drehbuch und einer Regie, die weiß, wie man aus kleinen Momenten ganz große Szenen macht.

Die Besetzung des Films ist grandios. Auch deshalb, weil alle Hauptdarsteller zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch am Beginn ihrer Karriere standen. So führt der damals 24-jährige Ewan McGregor eine Gruppe von jungen Schauspielern an (Ewen Bremner, Jonny Lee Miller, Kevin McKidd), die die verkommene Jugend am Abgrund so gut spielen und gleichzeitig als Personen so gutherzig, verrückt und unverbraucht daherkommen. Die schottische Junkie-Clique wird so zu einer sympathisch witzigen, wenn auch stark negativen Repräsentation der britischen Unterschicht der 1980er Jahre. Dazu trägt auch die Ausstattung des Films bei, die den Figuren und ihrem Leben durch Kleidung, Accessoires, Musik und den heruntergekommenen Sets glaubhaft Charakter verleiht; so wie auch der schottische, ohne Untertitel nicht immer leicht zu verstehende Slang, mit dem ununterbrochen gesprochen wird.

Trainspotting bietet sich wirklich – auch über Generationen hinweg – als wahrer Klassiker an. Das liegt an den vielen einzigartigen, oftmals surrealen Szenen und den Kameraaufnahmen, die schon im Film wie die Helden-Poster einer Popkultur erscheinen. Natürlich haben die letzten zwanzig Jahre sie erst zu den kinogeschichtlichen Ikonenbildern stilisiert, doch die Szenen geben es eben auch her. Seien es Aufnahmen der Clique, die still wie eine Fotografie von den epischen Jahren der Jugend zwischen Drogen, Pub und Rockmusik erzählen. Oder das Vermischen von Realität und surrealen Effekten, das so klug und simpel eingebaut ist (auch nach 20 Jahren gibt es keine veraltet wirkenden Animationen, an denen man sich wirklich stört) und nicht nur das Thema des Drogenrausches bzw. -entzugs repräsentiert, sondern auch nostalgisch den Rausch des Jungseins mit allen Freiheiten und Dramen darstellt.

 

Fazit:

Dass Trainspotting ein absoluter Klassiker ist, ist eine Sache. Mit wie viel Recht er sich diesen Titel jedoch auch nach zwanzig Jahren noch verdient, ist beeindruckend. Die Bildsprache ist so zeitlos gut, dass viele Ansätze des Films auch heute noch als innovativ, modern oder eben einfach handwerklich besonders gut durchgehen würden. Das Bild, das Regisseur Danny Boyle von seinen Hauptfiguren und deren Leben zeichnet, ist ein so ehrliches und gleichzeitig so dreckiges bis ekelhaftes. Man schwankt als Zuschauer zwischen Mitleid mit den verkommenen jungen Leben und einem nostalgischen Freiheitswunsch nach Rausch, nach Jugend, nach Desinteresse und Zeitlosigkeit.

(5 / 5)

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.